Neue Route - Diente - 5.250 m

Husarenritt auf dem Diente Blanco 5.250 m, 18 Stunden non-stop klettern; Jetzt ist mein Kopf leer, meine Gedanken sind frei! Die Welt bewegt sich weiter doch meine Gedanken stehen still.



Um 06.30 Uhr setzen wir den ersten Pickelschlag in die neue Route auf den Diente Blanco.
Die ersten Seillängen kämpfen wir uns durch nicht wirklich vielversprechendes Eis, das im unteren Sektor mit Steinen vermischt ist. An den Ständen zittern wir vor Kälte – die Sonne wird uns den ganzen Tag keinen einzigen Ihrer Strahlen schenken. Ein paar Seillängen später besticht der Gletscher durch sein charakteristisches blaues Eis. Mit bis zu 95 Grad Steilheit und kompakten guten Eis klettern wir dem Gipfel entgegen.
Unterhalb von der geplanten Schlüsselstelle finden wir ein breites Band auf dem sich bequem Stand machen lässt. Um keine Zeit zu verlieren trinken wir viel zu hastig den heißen Tee und belohnen uns mit einem Stück Schokolade, das unsere einzige essbare Nahrung bleiben wird.


Florian Hill beim abseilen in der Schlüsselstelle


Im mittleren Wandteil


Das Kletterabenteuer beginnt

Ein gewaltiger Eisüberhang versperrt uns den direkten Weiterweg. Da die nächsten Seillängen an mich fallen, zwingt mich der Eisüberhang zu einem Quergang nach links. Jedoch werde ich links von einem noch unmöglicheren Eisüberhang überrascht, der mit Löchern durchsetzt eine skurrile Gestalt angenommen hat. Wir seilen ca. 20 m auf ein Schneepodest ab. Was wird uns hier erwarten? – das Kletterabenteuer beginnt. Als wir alle sicher auf dem Podest stehen und über den weiteren Routenverlauf rätseln, steige ich eine kombinierte Seillänge vor. Die Zwischensicherungen und Stände verlangen in dem brüchige Gelände etwas an Fantasie.

Nach 18 Stunden zurück im Basislager

Später stoßen wir wieder auf leichteres Gelände, das wir in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit seilfrei bewältigen. Auf dem Gipfel des 5.250 m hohen „Diente Blanco“ (zu dt. weißer Zahn) angekommen, machen wir uns sofort an den Abstieg über den Gletscher, dessen Überquerung in der Dunkelheit nicht gefahrenlos ist.
Endlich. Wir liegen auf dem Boden in unserem Küchenzelt. Der Kocher bildet die einzige Geräuschkulisse, die auf uns alle einschläfernd zu wirken scheint.



Florian Hill im Vorstieg                         Stefan Berger beim abseilen

Fakten zur Route

Difficulty: V,WI5, M3+, E4 im Alpinstil
First ascent: Florian Hill, Stefan Berger


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